Im August 2025 habe ich angefangen, Kalter Regen zu schreiben. Damals war es erst nur eine Idee. So eine dieser Ideen, die leise anklopfen, sich erst noch harmlos geben und so tun, als wollten sie nur kurz reinschauen.

Tja. Rückblickend kann ich sagen: Diese Idee hat nicht kurz reingeschaut. Sie ist eingezogen, hat sich breitgemacht, die Füße auf den Tisch gelegt und beschlossen, mein komplettes Gehirn zu besetzen.

Ende 2025 war das Buch dann fertig. Und wenn ich sage „fertig“, dann meine ich nicht nur, dass ich eine Geschichte von A bis Z geschafft habe, zu schreiben. Ich meine, dass ich mit jeder Faser in dieser Geschichte drinhing. In Mara. In Gabriel. In Nic. Im Beschützer. In all dem, was zwischen ihnen passiert, knistert, kippt und irgendwann so dunkel wird, dass man selbst als Autorin manchmal kurz dasitzt und denkt: Also gut, einmal heulen, klarkommen und weiterschreiben.

Genau so war es nämlich. Ich konnte irgendwann wirklich nichts anderes mehr sehen als diese Geschichte. Mara, Gabriel und Nic waren ständig da. Beim Frühstück, beim Wäschemachen, beim Gassigang mit Luke (wir nennen unseren Jagdhund auch gerne Gurki, Juju, Yonkas, Willi Yonkas,…ich weiß, wir spinnen ein wenig), nachts im Bett, morgens im Halbschlaf, zwischen Tür und Angel und natürlich genau dann, wenn ich eigentlich etwas völlig anderes tun sollte. Mein Kopf war praktisch dauerhaft auf Liebesthriller eingestellt. Andere Menschen haben Einkaufslisten im Kopf, ich hatte psychologische Dynamiken, gefährliche Nähe, verbotene Gefühle und eskalierende Szenen.

Und ja, ich war süchtig. Anders kann ich es nicht sagen.

Ich habe tagsüber geschrieben, nachts geschrieben, zwischendurch geschrieben, heimlich im Kopf weitergeschrieben, wenn ich gerade mal nicht am Laptop saß, und wahrscheinlich auch im Traum noch an Dialogen gefeilt. Es war diese Art von Geschichte, die einen nicht in Ruhe lässt. Und ganz ehrlich: Ich habe es geliebt.

Natürlich sah mein Alltag dabei nicht aus wie auf irgendwelchen romantisierten Autorenfotos, auf denen man mit einer Tasse Tee an einem ästhetisch beleuchteten Schreibtisch sitzt und poetisch in den Regen blickt. Nein. Mein Alltag bestand eher daraus, mit tausend Gedanken gleichzeitig durch den Tag zu rennen, an Szenen zu denken, während unsere Zwillinge ihre verdiente Zeit beanspruchten, zwischendurch vom Hund aus meinem Autorenfieber gerissen zu werden und irgendwo dazwischen zu versuchen, auch noch ein halbwegs funktionierender Fotograf und Grafikdesigner zu bleiben.

Mein Mann hat mich dabei unterstützt, so gut er nur konnte, und ich bin mir ziemlich sicher, dass auch er irgendwann wusste, dass mit mir gerade nicht mehr ganz normal zu reden war. Wahrscheinlich hat er sich mehrfach gedacht: Sie ist körperlich anwesend, aber geistig steht sie mit drei problematischen Figuren im halbfertigen Waldhaus. Und er hätte damit nicht einmal unrecht gehabt.

Unsere Zwillinge haben natürlich ebenfalls ihren ganz eigenen Anteil an dieser Reise, denn mit Kindern schreibt man kein Buch in feierlicher Stille und andächtiger Abgeschiedenheit. Man schreibt zwischen Leben, Lautstärke, Chaos, Müdigkeit und ungefähr achtzehn Unterbrechungen pro Stunde. Nicht zu vergessen, das schlechte Gewissen einer Mama. Vielleicht ist genau das aber auch die ehrlichste Form, eine Geschichte zu schreiben: nicht fernab vom Leben, sondern mitten darin.

Was mich an Kalter Regen von Anfang an gepackt hat, war diese Mischung aus Leidenschaft, Spannung, Verlust, Obsession und Gefahr. Ich wollte keine Geschichte schreiben, die man nett findet und dann wieder vergisst. Ich wollte eine Geschichte schreiben, die unter die Haut geht. Eine, die kribbelt, wehtut, lockt und beunruhigt. Eine, in der Gefühle nicht sauber und ordentlich nebeneinander stehen, sondern miteinander kollidieren. Eine Geschichte, in der Liebe nicht nur Trost ist, sondern auch Risiko. Und ich glaube, genau deshalb hat mich dieses Buch selbst so verschlungen.

Es war intensiv. Es war wild. Es war manchmal anstrengend, manchmal berauschend und manchmal so, als würde ich selbst mit einem Fuß zu nah am Abgrund stehen. Aber genau so musste es sein.

Jetzt ist Kalter Regen fertig. Und dieses Gefühl ist gleichzeitig wunderschön und seltsam. Wunderschön, weil jedes Kapitel und jedes Wort geschrieben wurde. Weil aus einer Idee, die im August begonnen hat, ein fertiges Manuskript geworden ist. Seltsam, weil man nach so einer langen, intensiven Zeit erst einmal wieder lernen muss, nicht dauernd in dieser Welt zu leben. Oder zumindest so zu tun, als wäre man wieder ganz normal. Was bei mir nur mäßig überzeugend klappt.

Im Moment bin ich auf der Suche nach einem Verlag für Kalter Regen und hoffe sehr, dass diese Geschichte genau die Menschen findet, die sie finden soll. Menschen, die Lust auf einen düsteren, intensiven Liebesthriller haben. Menschen, die sich trauen, tief hineinzugehen. Menschen, die sich gern verlieren, solange die Geschichte es wert ist.

Aber dennoch bin ich ein Freund von Kritik. Auch, wenn ich mein Manuskript wirklich liebe, wie es ist, freue ich mich schon jetzt auf einen professionellen Blick und auf die Zeit, in der die Arbeit noch einmal anrollt, um mein Buch auf ein neues Level zu heben.

Kalter Regen hat mich im letzten Jahr begleitet, gefordert, wachgehalten und begeistert. Es hat mich in Beschlag genommen, mich nicht mehr losgelassen und mir einmal mehr gezeigt, wie verrückt, fordernd und gleichzeitig wunderschön Schreiben sein kann.

Und auch wenn ich zwischendurch vermutlich ein klein wenig wahnsinnig geworden bin, würde ich es genauso wieder tun.

Sofort.