Manchmal beginnt ein neues Buch nicht mit einem fertigen Plot, nicht mit einer klaren Struktur und nicht einmal mit einer Figur, die sofort vollständig da ist. Manchmal beginnt es mit einem Reiz. Mit einer Idee, die sich festsetzt und nicht mehr verschwindet. Bei Crystal Sight war genau das der Fall.

Ich habe in letzter Zeit viele fantastische Romantasy-Bücher gelesen und dabei irgendwann gemerkt, dass in mir selbst der Wunsch immer lauter wurde, etwas Eigenes in diesem Genre zu erschaffen. Nicht nur eine Geschichte mit Magie, Spannung und intensiven Gefühlen, sondern eine ganze Reihe. Eine Welt, die größer wird, dunkler wird, gefährlicher wird und immer neue Fragen aufwirft.

Gleichzeitig wollte ich mich beim Schreiben bewusst herausfordern. Ich wollte nicht den einfachen Weg gehen. Ich wollte sehen, ob ich ein ganzes Buch, vielleicht sogar eine komplette Reihe, aus der Sicht einer blinden Protagonistin schreiben kann. Nicht als Gimmick. Nicht als tragisches Beiwerk. Sondern so, dass ihre Blindheit ein selbstverständlicher Teil von ihr ist, ohne sie darauf zu reduzieren.

Genau das macht Crystal Sight für mich zu einem Projekt, das mich auf eine ganz eigene Weise fordert.

Rivienna ist keine Figur, die darauf wartet, gerettet zu werden. Sie ist klug, scharfzüngig, stolz und voller Widersprüche. Sie lebt in einer Welt, die sie von Anfang an auf bestimmte Weise geformt hat, und trotzdem ist sie niemand, der sich mit einer Rolle zufriedengibt, die andere für sie vorgesehen haben. Gerade deshalb interessiert sie mich so sehr. Ich wollte eine Hauptfigur schreiben, die nicht zerbrechlich wirkt, nur weil andere sie unterschätzen. Und ich wollte eine Perspektive erschaffen, die den Leser zwingt, eine Fantasy Welt anders wahrzunehmen.

Das hat beim Schreiben natürlich Folgen. Es verändert alles. Jede Szene. Jede Bewegung. Jede Begegnung. Es reicht nicht, einfach gewohnte Beschreibungen leicht umzubauen. Ich muss viel genauer arbeiten. Viel bewusster. Viel ehrlicher. Und genau das liebe ich daran, auch wenn es mich regelmäßig an Grenzen bringt.

Denn Crystal Sight ist kein Buch, das man nebenbei schreibt.

Diese Geschichte verlangt Aufmerksamkeit. Sie verlangt Konsequenz. Sie verlangt, dass ich genau weiß, was ich tue, weil jede Szene aus Riviennas Perspektive nur dann funktioniert, wenn sie wirklich aus ihr heraus erzählt ist und nicht aus alten Schreibroutinen. Das bedeutet auch, dass ich mich selbst immer wieder hinterfragen muss. Welche Bilder benutze ich? Welche Formulierungen greifen zu kurz? Wo schreibe ich noch zu bequem? Wo muss ich präziser werden?

Und ja, genau das ist anstrengend. Aber es ist die gute Art von anstrengend. Die, bei der man merkt, dass man gerade nicht einfach nur ein weiteres Buch schreibt, sondern sich als Autorin weiterentwickelt.

Dazu kommt natürlich, dass ich bei einer Romantasy-Reihe nicht nur Figuren und Gefühle im Blick behalten muss, sondern auch ein größeres Geflecht aus Magie, Vergangenheit, Macht, Schuld und Wahrheit. Ich liebe genau das. Ich liebe es, wenn sich langsam Schichten lösen. Wenn aus Andeutungen Zusammenhänge werden. Wenn Figuren nicht nur mit äußeren Gefahren kämpfen, sondern auch mit dem, was sie über sich selbst zu wissen glauben.

Crystal Sight gibt mir all das.

Es ist düsterer, größer und in vieler Hinsicht komplexer, als es am Anfang vielleicht aussah. Und genau deshalb hat es mich so schnell gepackt. Was zunächst nur der Gedanke war, selbst einmal eine Romantasy-Reihe zu schreiben, wurde sehr schnell zu etwas, das deutlich mehr Raum eingenommen hat, als eigentlich vorgesehen war. Figuren tauchten auf und wollten bleiben. Konflikte wurden schärfer. Die Welt wurde konkreter. Aus einer Idee wurde ein Projekt, das nicht still in der Ecke sitzt, sondern sehr deutlich verlangt, ernst genommen zu werden.

Ich glaube, das ist immer ein gutes Zeichen.

Denn die Geschichten, die am Ende wirklich etwas mit mir machen, sind selten die bequemen. Es sind die, die mich fordern. Die, die mich zwingen, genauer hinzusehen, mutiger zu schreiben und mich nicht mit der ersten funktionierenden Lösung zufriedenzugeben. Crystal Sight ist genau so eine Geschichte.

Noch steht dieses Projekt am Anfang verglichen mit einem fertigen Buch. Aber ich merke jetzt schon, dass diese Reihe etwas in mir angestoßen hat. Sie fordert mich fachlich heraus. Sie begeistert mich kreativ. Und sie gibt mir das Gefühl, an etwas zu arbeiten, das groß werden darf.

Ich freue mich sehr darauf, diesen Weg weiterzugehen und herauszufinden, wohin Crystal Sight mich noch führen wird.